Mit jedem iPhone oder Mittelklasse Camcorder kann ja mittlerweile UHD/4K Videomaterial aufgezeichnet werden. Also wird es ja auch Zeit, die Livevideo-Produktionen auf UHD umzustellen – oder nicht? Mit der Vorstellung der neuen Blackmagic URSA Brodcast scheint diese Möglichkeit ja in greifbare Nähe gekommen zu sein.

Leider ist die Sache nicht ganz so einfach. Während Camcorder oder Smartphones das 4K Material in stark komprimierter Form abspeichern können, muss bei Livevideo-Produktionen mit den unkomprimierten Daten gearbeitet werden, da es auf jede Millisekunde Delay (Verzögerung) ankommt und natürlich auch kein Kompromiss mit der Bildqualität gemacht werden kann. Während SD Videomaterial mit einer Datenrate von 270 Mbit/s ausgekommen ist, muss es für 4K mit 50 Bildern/Sekunde (und das ist für TV notwendig) bereits 12 Gbit/s sein.

Name Bitrates Beispiel video Formate
SD-SDI 270 Mbit/s, 360 Mbit/s, 143 Mbit/s, and 177 Mbit/s 480i, 576i
ED-SDI 540 Mbit/s 480p, 576p
HD-SDI 1.485 Gbit/s, and 1.485/1.001 Gbit/s 720p, 1080i
3G-SDI 2.970 Gbit/s, and 2.970/1.001 Gbit/s 1080p50
6G-SDI 6 Gbit/s 2160p25
12G-SDI 12 Gbit/s 2160p50

Was für Geräte von Blackmagic Design können denn bereits diesen 12G Standard?

Blackmagic Design bietet bereits eine grosse Anzahl von Geräten an, welche mit der neuen Datenrate umgehen können. Es sind beispielsweise die Teranex Konverter, die URSA Kameras (alle, nicht nur die Broadcast) und das neue Blackmagic ATEM 4 M/E Broadcast Studio 4K.

Also dann ist es ja kein Problem, alle Livevideo-Produktionen in 12G zu machen?

Ganz so einfach ist es leider nicht. Da bei einem Videomischer immer sämtliche Geräte in der selben Auflösung eingestellt sein müssen, müssen dann alle Einspieler in 12G vorliegen. Auch sind mit 12G nur noch relativ kurze Kabelwege über BNC-Kabel möglich. Also müsste fast jede Verbindung mittels Glasfaser gemacht werden, doch dort ist, das Problem, dass dafür noch kaum oder nur sehr teure SFPs erhältlich sind.

Aber man kann ja auch mit 2160p25 / 6G SDI arbeiten

Das ist natürlich grundsätzlich möglich, dort stehen einem viel mehr kostengünstige Geräte und Möglichkeiten zur Verfügung. Allerdings ist es für viele Einsatzzwecke im Livebereich nicht möglich mit nur 25 Bildern pro Sekunde zu arbeiten, weil dann z.B. Sportveranstaltungen viel zu ruckelig sind.

Also sollen wir jetzt auf UHD setzen?

Es ist sicher nicht verkehrt, jetzt schon auf Equipment zu setzen, welches im UHD-Workflow eingesetzt werden kann. (z.B. die neue URSA Broadcast) Jedoch würde ich – zumindest wenn das Budget begrenzt ist – noch nicht um jeden Preis auf 12 G setzen und weiterhin in HD produzieren, jedoch sicherlich 3G SDI ohne Interlacing.

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